Oft und gerne gehört: Ich bin dann mal weg von Hape Kerkeling

25. März 2019linda

Ich bin nicht gläubig. Zumindest habe ich noch keine Religion gefunden, mit der ich selbst etwas anfangen kann. Irgendwas muss da sein, soviel weiß ich, aber was genau das ist und nach welchen Regeln wir hier auf der Erde deshalb spielen sollten, kann ich nicht definieren. Trotzdem habe ich schon mindestens vier Mal ein Buch über einen Kerl gehört, der genauso unsportlich ist wie ich und sich gedacht hat “Jakobsweg. Das mach ich”. So oder so ähnlich zumindest wird der Gedanke in seinem Kopf geklungen haben. Und daraus entstanden ist Ich bin dann mal weg: Meine Reise auf dem Jakobsweg. Ein Buch, dass mich schon auf so mancher Reise begleitet hat.

Der erste Eindruck

Wie genau ich auf dieses Buch gekommen bin, kann ich heute nicht mehr mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. Irgendwann war’s einfach da, in meiner Playlist kostenlos verfügbar. Und da ich Hape Kerkeling wirklich gut leiden kann und ihn schon immer tierisch sympathisch fand, hab ich einfach mal auf Play gedrückt. Und das Hörbuch, netter Weise auch gelesen von Hape selbst, hat binnen so kurzer Zeit überzeugt, dass auch mein Mann mit gehört hat. So haben Hape und der Jakobsweg uns an so manchen Abenden in den Schlaf begleitet.

Was mir gleich zu Beginn positiv aufgefallen ist: Hier ist alles echt. Das Cover zeigt einen Schnappschuss von Hape, leicht spöttisch grinsend mit Pilgerstab in der Hand auf dem Jakobsweg. Mit Schlapphut, Rucksack und allem drum und dran. Hape liest selbst und kreiert so den Eindruck, einem Bericht aus erster Hand zu lauschen. Gefällt mir schon mal!

Der Autor Hape Kerkeling

Hans-Peter Wilhelm Kerkeling, Komiker, Autor, Sänger, Schauspieler, Sohn, Christ, Freund, Hörer, Zuschauer… so oder so ähnlich beginnt Hape seine Vorstellung in Ich bin dann mal weg. Und das trifft es. Ich bin schon lange niemandem mehr begegnet, dem Horst Schlämmer, Giesela oder zumindest Hape selbst kein Begriff war.
Als Autor ist jedoch alles anders: Kennt das deutsche Fernsehpublikum den geborenen Rechlinghausener vor allem als Spaßvogel, zeigt er sich hier von seiner nachdenklichen Seite. Und das funktioniert nicht nur, sondern steht ihm auch noch richtig gut.

Worum geht’s in Ich bin dann mal weg?

2001 macht Entertainer Hape Kerkeling eine harte Zeit durch: Beruflich läuft es zwar super, aber mit dem Erfolg kommt auch irgendwann die physische Grenze. Der Körper streikt, das Akku ist leer. Hape beschließt also kurzerhand ein halbes Jahr Pause zu machen. Als ihm dann ein Buch über den Jakobsweg in die Hände fällt, steht sein Ziel fest und er macht sich zwar gut ausgestattet aber körperlich alles andere als vorbereitet auf den Weg. Unterwegs schreibt er jeden Tag das Erlebte in seiner “kleinen orangenen Kladde” nieder.

Man lernt Hape, den man sonst als präsenten, lauten und humorvollen Unterhalter kennt, hier von einer völlig neuen Seite kennen. Sehr selbstreflektiert berichtet er nicht nur von den lustigen und schönen Seiten des Weges, sondern auch von den Strapazen und den emotionalen Reisen, die man während des Pilgerns macht. Auch seine Pilgerbekanntschaften, wie Schnabbel und Gerd oder Doktorin Anne, begegnen ihm und somit auch uns im Laufe des Buches mehrmals und tragen das Ihre zur Geschichte bei.

Wie fand ich’s?

Ich bin dann mal weg ist eine Erzählung, die mich schon durch viele Stimmungsphasen begleitet hat. Nach einem ersten “unbewussten” hören, merke ich mehr und mehr, dass ich das Hörbuch immer wieder dann rauskrame, wenn es mal nicht so einfach ist. Wenn eine schwere Entscheidung ansteht. Oder die Laune einfach schon seit Tagen auf dem Tiefpunkt ist und einfach nicht wieder hoch möchte. Ich habe das Gefühl, Hape beim pilgern zuzuhören ist wie eine Mini-Pilgerreise für’s Herz. Und wie gesagt, ich bin nicht wirklich gläubig! Aber dabei zuzuhören, wie er über sich hinaus wächst, mit Rückschlägen umgeht oder einfach die Freude in den kleinen Dingen erkennt, ist einfach Balsam für die Seele.

Was mir auch nahe geht und mich immer für eine ganze Weile begleitet sind die Erkenntnisse des Tages, die Hape am Ende jeder Etappe für sich selbst zieht. Sie lassen sich so oft auf das eigene Leben übertragen, dass es schon fast gruselig ist. Für mich hat’s sich beinahe so angefühlt, als wär mein Weltbild ein kleines Bisschen in Schieflage geraten, und die Erkenntnis des Tages rückt es genau die richtigen zwei Zentimeter zurück, damit alles wieder funktioniert.

Sprachlich hatte ich das Gefühl, dass mir eine Geschichte erzählt wird, ganz individuell nur für mich. In keinem Moment kam der Eindruck auf, dass hier ein Roman vorgelesen wird oder gar eine fiktive Geschichte. Nein, hier ist alles echt und das tut in der heutigen Zeit wirklich gut.

Ihr merkt also, ich bin begeistert. Ich bin dann mal weg lässt mich lachen, nachdenken, hier und da mal ein Tränchen verdrücken aber am Ende fühle ich mich immer gut. Wenn sich das 1:1 auf den Jakobsweg übertragen lässt sollte ich vielleicht doch einen Rucksack packen und mich auf dem Weg machen.

Im Überblick

Zur Erinnerung: 5 Punkte sind die beste, 1 Punkt die schlechteste Wertung. Bewertet wird in diesem Fall die Hörbuch-Version, da ich das Print-Exemplar noch nie in den Händen hatte. Aus dem Grund fällt die Wertung für den Klappentext leider weg.

Covergestaltung 5/5
Geschichte 5/5
Zweimal lesen absolut

Liebste Grüße

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